Gera

Gera und seine Geschichte

Dort, wo sich der Lauf der "Weißen Elster" durch die Enge zwischen Zoitz- und Heeresberg mit der hier auftretenden ältesten Gesteinsformation des Stadtgebietes, dem Culm, hindurchzwängt und in eine weite Talaue übergeht, erstreckt sich die Stadt Gera auf zwei alten Flußterassen östlich und in der Talsohle beiderseits des Flusses. Im Westen erheben sich die mit dichten Laub- und Nadelbaumwäldern bewachsenen Höhen der Buntsandsteinformation (Hain und Weinberg), im Osten an der Lasur und Grafe sowie bei Collis die Höhen der dem Zechsteinmeer entstammenden Schichten des unteren, mittleren und oberen Zechsteins.

Erstmalig genannt wird Gera in einer Urkunde aus dem Jahre 995 in einer Grenzbeschreibung des Burgwards Crossen. Es ist die Zeit der beginnenden Vollblüte des Feudalismus, da seit den Sachsen-Königen Heinrich I. und Otto I. in ihrem Drang nach dem Osten feste Stützpunkte gegen die Sklaven an Saale und Elster angelegt werden und Kaiser Otto III. als oberster Feudalherr und Aneigner des gesamten Grund und Bodens im Jahre 999 die "provincia Gera ... mit allen Leibeigenen beiderlei Geschlechts" seiner Schwester Adelheid, Äbtissin des freiweltlichen Stiftes zu Quedlingburg, schenkt. Dieser Burgwardbezirk Gera war ein Teil der Mark Zeitz und des Gaues Geraha. Damit entsteht in größter Nähe der bereits auf der Höhe des östlichen Stadtgebietes befindlichen Sorben-Siedlungen Zschochern und Sorga, mit wahrscheinlich alten Befestigung in der Nähe der Häselburg, der Quedlingburgische Klosterhof.

Orangerie - das spätbarocke Zweiflügelgebäude im Geraer "Küchengarten" des Schlosses Osterstein wurde als Gartenanlage mit Orangenhäusern nach französischem Vorbild zwischen 1729 und 1732 im Auftrag des Fürsten Heinrich XVIII. Reuß jüngere Linie nach Plänen des fürstlich-sächsischen Landesbaumeisters Gottfried Heinrich Krohne erbaut.
Im Martinsgrund, inmitten des Geraer Stadtwaldes, in land- schaftlich reizvoller Umgebung, fährt seit dem 06. September 1975 diese Bahn, damals noch unter dem Namen 'Pioniereisenbahn'.

Der Marktplatz zählt durch seine Geschlossenheit zu den schönsten Plätzen Thüringens. Von vielen Touristen bewundert: das Geraer Rathaus (1573-1575). Es gehört zu den reifen Leistungen mitteldeutscher Renaissancebaukunst. Sein Hauptportal sowie die Fenstergiebel sind besonders reich plastisch-dekorativ ausgebildet. Vom 57 Meter hohen, achteckigen Turm kann man den idyllischen Blick über die Stadt genießen, die von reichlich Grün umgeben ist.
Die Stadtapotheke, ein Renaissancebau aus dem Jahre 1592, ist durch ihren reich mit Wappen, Apostelfiguren und Darstellungen der vier Jahreszeiten verzierten Erker, der 1906 an das Gebäude angefügt wurde, ein prägender Bestandteil des Marktplatzes
Kirche St. Johannis
Stadt- und Hauptkirche Geras ist die Johanniskirche. Bereits im 12. Jahrhundert wurde sie am Johannisplatz in der Nähe der alten Stadtburg gegründet. Mitte des 17. Jahrhunderts wurden hier die "Musikalischen Exequien", die der am 8.10.1585 in Köstritz geborene Heinrich Schütz als Trauermusik für Heinrich Posthumus Reuß komponierte, uraufgeführt.
Durch den Stadtbrand 1780 wurde die Kirche zerstört und erst 100 Jahre später wieder aufgebaut, so daß sie ihren neuen Platz im heutigen Park der Demokratie erst seit 1885 einnimmt.
1928 entstand auf Anregung des bekannten Geraer Orchideenzüchters Sandhack, vor dem Eingang zum Martinsgrund der erste Dahliengarten in diesem Territorium. 1930 schuf Thilo Schoder, ein Schüler des berühmten Künstlers Henri van de Velde, hier einen Brunnen im Bauhausstil.

In einem Saal des Seitengebäudes des Hotels "Kronprinz" befand sich seit 1919/20 auch die jüdische Synagoge, die wie die jüdische Schule im Meistergäßchen in der sog. Reichskristallnacht am 9.11.1938 zerstört wurde. Der Standort des Hotelgebäudes (im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstört) am Beginn der Schülerstraße ist heute durch ein Denkmal für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus kenntlich gemacht. Dieses Denkmal wurde am 17.11.1988 eingeweiht.
Zu den bekanntesten Gebäuden im Stadtteil Untermhaus gehört das Otto-Dix-Haus am Mohrenplatz 4. In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich die Marienkirche und weitere sehenswerte Bürgerhäuser. Auf dem Hainberg, an dessem Fuße der Mohrenplatz liegt, erhebt sich der Bergfried des Schlosses Osterstein.

zurück